Die grösste Binnen-Dampferflotte der Welt – Nostalgie auf dem Vierwaldstättersee

Die grösste Binnen-Dampferflotte der Welt – Nostalgie auf dem Vierwaldstättersee

Uri, Schiller, Gallia, Stadt Luzern und Unterwalden – diese fünf Dampfschiffe sind auf dem Vierwaldstättersee unterwegs. Der Faszination der nostalgischen Raddampfer kann sich wohl keiner entziehen.

5 Salon-Seitenrad-Dampfer die Geschichte atmen

Von den fünf Dampfschiffen der Schifffahrtsgesellschaft auf dem Vierwaldstättersee lässt sich jedes einzelne mit Superlativen beschrieben. Zusammen bilden sie sogar die weltweit grösste Binnen-Dampferflotte. Jeder der nostalgischen Raddampfer hat seine Geschichte und Besonderheiten. Da verwundert es nicht, dass es jede Menge Fans gibt, die extra der Schiffe wegen in die Zentralschweiz pilgern.

Es ist immer wieder eine Freude, wenn man am Hafen steht und ein Raddampfer anlegt!

Dampfschiff_Luzern

Uri

Sie ist nicht nur das älteste Dampfschiff des Vierwaldstättersees, sondern der ganzen Schweiz und für viele begeisterte Raddampferfreunde auch das beeindruckenste. Die Uri ging, erbaut von den Gebr. Sulzer aus Winterthur, 1901 vom Stapel. Jahrzehntelang war sie ganzjährig im Einsatz und bewährte sich sogar als Eisbrecher. 800 Passagiere können in den beiden Klassen des Schiffes reisen: In der 1. Klasse geniesst man die Reise stilvoll im neubarocken Salon. Anfang der 90er Jahre wurde der Dampfer einer Generalrevision unterzogen und erstrahlt seitdem wieder in seinem alten Glanz.

Schiller

Die Schiller stammt aus dem Jahre 1906. Sie gilt als der schönste Schweizer Raddampfer. Besonders beeindruckend ist der 1. Klasse-Salon: Das Mobiliar, die Dekorationen und Einrichtungsgegenstände – die gesamte Jugendstilausstattung ist im Original erhalten. Zu besonderen Ehren kam das Dampfschiff Schiller im September 2009, als der damalige russische Präsident Dmitri Medwedew mit ihm von Seedorf nach Brunnen reiste. Das Schiff wurde zuletzt 1998/1999 restauriert: Die Sanierung kostete sechs Millionen Franken.

Gallia

Dieser Salon-Seitenrad-Dampfer ist nicht nur auf Schweizer Gewässern der schnellste Raddampfer, sondern auf allen europäischen Binnenseen. Erbaut wurde die Gallia 1913 in der Zürcher Werft Escher-Wyss. Die 1. Klasse ist im prächtigen Empirestil ausgestattet. Auf dem Oberdeck befindet sich das „Gallia-Stübchen“ im original erhaltenen Renaissance Stil. Die elegant geschwungene Treppe ist ein typisches Merkmal von Escher-Wyss. 1960 wurde ein Umbau geplant: Die Gallia sollte ein elektrisches, mit Diesel betriebenes Radschiff werden. Glücklicherweise kam man von diesem Vorhaben wieder ab!

Stadt Luzern

Dieser Raddampfer hat die meiste Kapazität: 1200 Passagiere kann die Stadt Luzern an Bord nehmen! Er ist der grösste und schwerste auf Schweizer Seen und durch seine besondere Bauart auffallend: Sein Design ähnelt den Ozeandampfern der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dazu passt die Innenausstattung im originalen Jugendstil. Erbaut wurde der Salon-Seitenraddampfer 1928 in Rosslau an der Elbe in der Werft der Gebrüder Sachsenberg. Die Stadt Luzern wird für den Kursdienst ebenso eingesetzt wie für Charterfahrten und durfte schon manch prominenten Fahrgast an Bord begrüssen. So reisten unter anderem Evita Peron aus Argentinien, General Henri Guisan oder Königin Elisabeth II. mit diesem Dampfschiff.

Unterwalden

1902 wurde das Dampfschiff Unterwalden von der Werft Escher-Wyss & Cie gebaut. Das Design orientiert sich an den niedrigen, langgezogenen Rheindampfern. Der Salon der 1. Klasse wurde, ebenso wie jene der Uri, vom Mailänder Filippo Cassina gestaltet, jedoch etwas feiner und skurriler. Er ist prunkvoll und besonders fällt seine mit goldfarbenen Knopfrosetten gestaltete Decke auf. Besonders stolz ist die Unterwalden auf ihren Parkettboden mit Intarsien aus Hölzern von Ahorn, Ulme, Nuss- und Kirschbaum. Er blieb im Originalzustand erhalten. Seit 2011 ist der Raddampfer nach einer Generalsanierung wieder auf dem Vierwaldstättersee unterwegs und gilt als das Bijou der Dampfschiff-Flotte. Die Unterwalden wurde schon mehrfach für Staatsbesuche eingesetzt.

Schiff_Luzern

Die Rettung der Raddampfer dank einer Bürgerinitiative

Es ist heute zwar kaum vorstellbar, aber tatsächlich plante die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, die Schifffahrt mit der Dampferflotte einzustellen. Nur ein einzelner Salon-Seitenrad-Dampfer sollte weiterhin in Betrieb bleiben. Nicht nur Schweizer Freunde der Dampfschiffe, sondern auch Fans aus dem Ausland gründeten eine Bürgerinitiative zur Rettung der Flotte. Dank ihres grossen Einsatzes kamen die Mittel zusammen, um diese wunderbaren Zeitzeugen der alten Schiffsbaukunst zu erhalten. Anstelle von Verschrottung oder Umrüstung zu Motorschiffen, konnten die nostalgischen Salon-Seitenrad-Dampfer restauriert und gewartet werden und lassen bis heute die Herzen aller, die einen Ausflug auf dem Vierwaldstättersee unternehmen, höher schlagen.

Wissenswertes rund um die SGV

Auf dem Vierwaldstättersee werden jährlich mehr als zwei Millionen Passagiere auf 38 Kilometern Seeweg befördert. Rund um den See befinden sich 34 Anlegestellen. Einige davon bieten Anschluss an Bahn, Bus oder Bergbahn, bzw. Gondel. Die Häfen von Brunnen, Flüelen, Luzern und Alpnachstad befinden sich in der Nähe von Bahnhöfen mit internationalem Bahnnetz.

Neben den regulären Kursen werden auch verschiedene Themenfahrten angeboten. Beliebt sind zum Beispiel der Sonntags-Brunch auf einem der Dampfschiffe sowie das Mittagsschiff. Wer einmal in den Genuss kam, an einer Sonnenuntergangs-Fahrt teilzunehmen, wird diese bestimmt nicht mehr vergessen. Natürlich kann man auch Feste auf dem Dampfer feiern. Da finden beispielsweise Galafahrten am 1. August statt, oder Feuerwerksfahrten am Luzerner Fest.

Alle Angebote und Fahrpläne finden Sie auf der Webseite der SGV.
Auskünfte bekommen Sie unter 041 367 67 67

Noch ein Tipp: Mit dem GA oder einer Tageskarte müssen Sie bei der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees keine zusätzlichen Tickets lösen. Auch das Halbtax wird natürlich anerkannt.

Text Sabine Itting

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